Veröffentlichungen – Einzeltitel

Fatzvogel, Roman, Mitteldeutscher Verlag 2014
Vuchelbeerbaamland, Roman, Mitteldeutscher Verlag 2008

Beiträge in Anthologien

– Ich fühle Sie wie eine Schwester / Erzählung über Irena Veisaite / Apostrofa Verlag Litauen / ET 2021
– Text in Hier ist herrlich arbeiten / Begegnungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Brandenburg / vbb verlag für berlin-brandenburg 2021
– Story Wut im Bauch / Anthologie MDR-Literaturwettbewerb 2010 / Rotbuch Verlag 2010

Auszeichnungen und Stipendien

– 2017 Auslandsstipendium (InterStip) des Landes Brandenburg in der Sparte Literatur/Übersetzung/Dramatik für das Projekt: „Die Verbrechen meines Großvaters: Eine Spurensuche in Litauen“.
– 2008 Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf

Aktuelles literarisches Projekt
Litauen-Tagebuch 2017-2019 (AT)

Die Autorin beschreibt ihre drei Litauen-Reisen in Form eines literarischen Tagebuchs. Darin fließen die Konfrontation mit den Verbrechen des Holocaust, ihre Familiengeschichte, Recherchen, Begegnungen, Gespräche und Reise-Eindrücke ein. Es geht um die Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel der deutsch-litauischen Geschichte, um Verständigung und Versöhnung von Vertretern der Opfer- und Täterseite, über Ländergrenzen und Generationen hinweg.

Biografie

Reglindis Rauca wurde 1967 in Plauen geboren und wuchs dort auf.
1985 Abitur in Plauen, Tätigkeit in der Diakonie und med. Berufsausbildung in Dresden.
1989-1993 Schauspielstudium in Berlin und Düsseldorf, u.a. an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, staatlicher Abschluss.
1990-2007 Engagements als Schauspielerin und Ensemblemitglied an städtischen Theatern, u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus und Kammerspiele Paderborn. Intensive Beschäftigung mit Dramatik und Literatur.
Seit 2003 literarische Arbeit und Entdeckung der NS-Taten des Großvaters, durch zufälliges ‚Googeln’ des eigenen Familiennamens.
2008 Romandebüt „Vuchelbeerbaamland“, Mitteldeutscher Verlag, Autorenlesungen und Interviews im deutschsprachigen Raum.
Seit 2008 freischaffende Schriftstellerin, Leitung von Workshops für kreatives Schreiben an Schulen, Dozentin.
Im Herbst 2017 erste Reise nach Litauen mit literarischem Auslandsstipendium des Landes Brandenburg. Begegnungen und Gespräche mit Holocaust-Überlebenden.

Reglindis Rauca lebt seit 2011 in Potsdam.

Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di, seit 2018 im Vorstand Land Brandenburg.

Literarische Themen und autobiografischer Bezug

Zu Raucas literarischen Themen gehört die Reflexion und Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen und ihrer Familiengeschichte.

Der Großvater der Autorin, Helmut Rauca, wurde 1982 als ehemaliger SS-Hauptscharführer wegen Mordes an über 10.000 litauischen Juden angeklagt und von Kanada an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Zu diesem Zeitpunkt lebte Reglindis Rauca mit ihrer Familie im sächsischen Plauen (DDR) und wusste nichts von den Verbrechen ihres Großvaters, obwohl dieser durch Briefe und Fotos in ihrer Kindheit präsent war.

Zufällige Entdeckung der NS-Verbrechen und Auseinandersetzung

Reglindis Rauca entdeckte erst 2003, durch das zufällige Googeln ihres Familiennamens, die wahre Geschichte und die NS-Vergangenheit ihres Großvaters Helmut Rauca. In ihrem Debütroman „Vuchelbeerbaamland“ stellte sie sich diesem historischen und familiären Erbe, und dem langen Schweigen ihrer Familie. In „Fatzvogel“ reflektiert sie (u.a.) diese Geschichte weiter.

Brüche, Aufarbeitung und Verständigung

Nach Erscheinen ihres Debüt-Romans 2008 reagierten Familienmitglieder der Autorin sehr unterschiedlich, mit mehrjährigem Kontaktabbruch, Vorwurf der Nestbeschmutzung, vorsichtiger Zurückhaltung und anerkennender Zustimmung.
Nach einigen Jahren gingen sie wieder aufeinander zu und begegnen sich heute mit Liebe und Respekt.

In Lesungen, Podiumsdiskussionen und Interviews thematisierte die Autorin die NS-Verbrechen ihres Großvaters und erhielt Ermutigung von Lesern und Zuhörern.

Versöhnung und Freundschaft

Im Herbst 2017, Ostern 2018 und Ende Mai 2019 reiste sie nach Litauen, besuchte die Stätten des Holocaust, die jüdische Gemeinde Kaunas und führte Gespräche mit Überlebenden des Kaunas Ghetto und ihren Nachkommen. Die Begegnungen mit Arkadijus Vinokuras, Fruma Kučinskienė-Vitkinaitė und Prof. Irena Veisaite standen im Zeichen der Verständigung und Versöhnung, Freundschaften entstanden.

Besonders bewegend war die Freundschaft mit Irena Veisaite (1928-2020), Überlebende des Kaunas Ghetto, Prof. für Literatur- und Theaterwissenschaften, vielfach ausgezeichnete litauische Intellektuelle und Autorin. 2019 erschien die deutsche Übersetzung ihres Buches Ein Jahrhundertleben in Litauen im Wallstein Verlag.

Rauca CV English

Informationen zur NS-Vergangenheit von Helmut Rauca